
- Rathaus Eberstadt
Historie
Unterschiedlichste Ernten in Qualität und Quantität, fehlende Lagerkapazitäten und die schwierige Vermarktung des Weines waren für Bürgermeister Gaißer die Anlässe dafür, die Eberstädter Weingärtner in einer Genossenschaft zu organisieren.
Am 4. Juli 1923 war es dann so weit: 38 Weingärtner gründeten die Weingärtnergenossenschaft Eberstadt eGmbH. Die Aufnahme in den Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften erfolgte am 21. August 1923, die Betriebsanmeldung am 16. Oktober 1923 durch den Vorstand Gaißer.
Ein Geschäftsanteil betrug 2 Millionen Mark, die Haftsumme belief sich auf 20 Millionen Mark. Der Geschäftsbetrieb wurde in der Gemeindekelter im Rathausuntergeschoß aufgenommen.
1932- Obwohl sich gute und schlechte Ernten abwechselten, war der Herbst auch damals schon die Krönung der harten Arbeit in den Weinbergen. Mit Stolz wurde die Ernte eingefahren. Die Bewirtschaftung der Weinberge erfolgte damals ausschließlich von Hand. Der Verkauf der ersten Weinjahrgänge war sehr schwierig und die damals erhobene Weinsteuer war eine zusätzliche Belastung. Schon in den Anfangsjahren spielte die Lagerung der Weine immer wieder eine entscheidende Rolle. Sie erfolgte in sechs verschiedenen Kellern, so zum Beispiel auch im Pfarrkeller. In den ersten Jahren erfolgte die Erfassung und Kelterung der Trauben in der Gemeindekelter im Untergeschoß des mächtigen Rathauses. Die ersten 10 Jahre waren gekennzeichnet von permanentem Faßraummangel. 1932 fand erstmals eine Obst- und Traubenschau in Heilbronn statt. Statt der bisher üblichen Versteigerung organisierte man erstmals einen Verkaufstag - mit sehr gutem Erfolg: Von 391 hl angebotenem Riesling-, Schiller- und Rotwein konnten 320 hl verkauft werden.
1936- Bei der Generalversammlung am 2. Mai 1936 wurde erstmals ein Kelter-Neubau diskutiert. Nachdem zu wenig Eigenkapital vorhanden war, konnte jedoch kein Entschluß gefaßt werden. Die zu geringe Lagerkapazität bewirkte eine Abnahme der Mitgliederzahl von 42 auf 36. Die Patenschaft mit Möhrigen/Filder wirkte sich positiv aus, der Wein aus dem Jahrgang 1936 konnte restlos abgesetzt werden. Propagandafahrten der Wengerter wirkten sich auf den Verkauf positiv aus. Patenschaften mit Ellwangen und Sulzbach/Murr ertschlossen zusätzliche Kundenkreise. Im Jahr 1939 erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 104 Weingärtner. In der Neubaufrage allerdings konnte wiederum kein Fortschritt erzielt werden.
1945- Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde ein Neuanfang unter der Leitung von Christian Wild gemacht. Es erfolgte der Beitritt zur heutigen WZG Möglingen. Mit Unterstützung des Landwirtschaftsamtes Heilbronn, des Landrates des Landkreises Heilbronn sowie dem Regierungsrat Dr. Breuka wurde wieder einmal versucht, die Raumnot durch einen Neubau zu beenden. Die Anmietung der Gemeindekelter einschließlich des Kellers unter dem Rathaus, die Beschaffung von technischen Einrichtungen und der Beginn des Flaschenweinausbaues.
Anfang der 50er-Jahre waren die Grundlagen dafür, daß Eberstädter Weine einen »guten Namen« bekamen. Die Mitgliederzahl stieg auf 140. Zur Förderung des Fremdenverkehrs wurden Kelterbesichtigungen mit Weinproben angeboten. Die Einnahmen aus dem Weinverkauf beliefen sich im Jahr 1955 auf 431.162,85 DM.
1958 übernahm die Raiffeisenbank die Rechnungsgeschäfte. Der Anbau an die Kelter begann. Bereits zu dieser Zeit wurde beschlossen, dass bei Neupflanzungen von Trollinger-Reben 20% Lemberger-Reben gepflanzt werden müssen.
1959 wuchs einer der Spitzenjahrgänge dieses Jahrhunderts. Durch Verbesserung der Anbaumethode und des Pflanzenschutzes stiegen die jährlichen Erntemengen, so daß die bisherige Kelter wieder zu klein wurde. Es mangelte nicht nur an Faßraum, sondern auch an der Möglichkeit, Weine in Flaschen zu lagern.
Im Februar 1961 beschlossen die Mitglieder einstimmig den Grunderwerb zum Neubau einer Kelter am heutigen Standort. Der von Architekt Krauter vorgestellte Plan umfaßte einen Kostenaufwand von 848.000,00 DM und Lagermöglichkeit für 1 Mio Liter Wein. Die zu dieser Zeit modernste Kelteranlage in Deutschland entsteht.
1963-Für die guten Eberstädter Weine konnten immer mehr neue Kunden, vor allem im Flaschen- weinbereich gewonnen werden. Absatz und Umsatz entwickelten sich unter Vorstand Adolf Kästle stetig positiv. Dies war nicht zuletzt auch ein Verdienst von Kellermeister Klaus Kühner, der am 1.6.1963 sein Amt antrat. Der Umsatz steigerte sich in den ersten 5 Jahren um 64,2% auf 1,4 Mio DM. Dies ermöglichte, neben einer guten Auszahlungsleistung an die Weingärtner auch den Betrieb im technischen Bereich den gestiegenen Anforderungen anzupassen. Die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern war für die Verwaltung eine wichtige Aufgabe. Eine gute Lesedisziplin war die optimale Voraussetzung für ein Lesegut bester Qualität, das dem Kellermeister zum Ausbau übergeben wurde. Erste Spät- und Auslesen wurden erzeugt.
1970 erhalten wir den ersten Ehrenpreis der DLG für überdurchschnittliche Weinqualitäten.
Die großflächigen Neuanlagen konnten wirtschaftlicher bearbeitet werden, brachten aber auch eine
weitere Steigerung der Erntemenge mit sich.
Am 1.4.1972 wird Herrmann Rank zum Geschäftsführer berufen. In den 70er-Jahren wurden 80% der Rebflächen durch Bereinigungsverfahren neu geordnet und wiederbepflanzt.
1977 wurde die Weingärtnergenossenschaft Cleversulzbach im Wege der Verschmelzung von der WG Eberstadt aufgenommen.
1978 folgten diesem Beispiel die Weingärtner der bis dahin noch selbstständigen WG Hölzern.
1981- Fertigstellung des Erweiterungsbaus mit einem Kostenaufwand von 5,4 Mio DM. Die WG erhielt den DLG-Ehrenpreis in Silber bei der Bundesweinprämierung.
1982- Die größte Ernte in der Geschichte der Genossenschaft mit einem Ernteergebnis von 4,14 Mio kg Trauben wurde dank der Erweiterung gut untergebracht. Doch damit war der Lagerraum zu 100% ausgeschöpft. Um die Unterbringung des Jahrganges 1983 zu gewährleisten, mußte die nächste Tanklagererweiterung angegangen werden. In einer außerordentlichen Generalversammlung wurde von den Mitgliedern ein Kelleranbau beschlossen.
1984- Einführung der ersten ertragsbeschränkenden Maßnahmen in den Weinbergen. Akzente im Bereich des Marketings gewannen an Bedeutung. Neue Premiumweinserien für den sich verändernden Markt wurden vinifiziert.
Die »Goldene Serie« mit trockenen Weinen unter 2 Gramm Restzucker wurde aus der Taufe gehoben. Eine Serie, die bis in die heutige Zeit mit zunehmendem Erfolg bei den Weinfreunden ankommt.
1988- Die ersten Barrique-Weine werden in den typischen 225 Liter fassenden Eichenholzfässern ausgebaut.
Geburtsstunde des Eberfürst-Sektes.
1989- Die »Edelsteinserie« wurde ins Leben gerufen. Ausgewählte Weinbergslagen, mindestens 20 Jahre alter Rebbestand, Ertragsreduzierung durch die Weingärtner während der Vegetation auf weniger als die Hälfte eines Normalertrages (50-60 kg je nach Sorte) sind die Voraussetzungen für die Erzeugung eines hochwertigen »Edelstein«-Weines.
1990- Einführung der gesetzlichen Mengenregelung. Ein Jahrgang mit überdurchschnittlich guter Qualität.
Gotthilf Stock, Vorstand der WG seit 1991. Die Generalversammlung wählt am 4.7.91 Gotthilf Stock zum Nachfolger für den altershalber ausscheidenden Adolf Kästle. Er wird von den Weingärtnern zum Vorstandsvorsitzenden gewählt.
1992- Einer 1990er Eberstädter Eberfürst Lemberger Auslese - trocken - verlieh die internationale Fachzeitschrift VINUM die Auszeichnung »Deutscher Rotweinpreis« für den besten Lemberger-Wein Deutschlands.
1993- In Zusammenarbeit mit dem Künstler und Designer Michael Koszt wurde die
Europa-Künstler-Serie geschaffen. Drei markante Landschaftsbilder mit italienischem,
französischem und deutschem Motiv zieren je ein Weißwein-, Weißherbst- und Rotweinetikett.
1994- Zum zweiten mal erhielt die WG Eberstadt den begehrten »Deutschen Rotweinpreis« für einen 1992er Eberstädter Eberfürst Lemberger Spätlese - trocken - aus der »Edelstein«-Serie.
1995- Den größten Triumph seiner Laufbahn feierte Kellermeister Klaus Kühner: Die von ihm ausgebauten Weine wurden bei der DLG-Bundesweinprämierung mit dem 8. Ehrenpreis und damit dem »Ehrenpreis in GOLD« ausgezeichnet. Damit zählt die WG zu den 12 erfolgreichsten Genossenschaften in Deutschland.
Eine Stärkung des Weinbaues im Eberbachtal bildete die Verschmelzung der WG Gellmersbach. Die Weingärtner aus Gellmersbach bringen aus der Lage Dezberg 55 ha in die Eberstädter Genossenschaft ein. Die Gesamtrebfläche im Einzugsgebiet der WG wächst damit auf 220 ha. Dies war insbesondere im Hinblick auf die wirtschaftlichen Veränderungen des Marktes eine zukunftsorientierte Entscheidung. Damit konnte die Sicherung des Standortes und eine langfristig bessere Betriebsauslastung erreicht werden. Das größere Volumen ermöglicht ein stabiles Angebot sowie eine höherer Lieferbereitschaft und sorgt damit für mehr Vertrauen zwischen den Marktpartnern.
Am 31.12.1997 ging Kellermeister Klaus Kühner nach 35 Dienstjahren in den verdienten Ruhestand. Seine Nachfolge tritt Dieter Bihlmayer, staatl. gepr. Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft an. Er war in den letzten 6 Jahren bereits enger Mitarbeiter von Kellermeister Kühner.
Mit dem Jahr 1997 endete das erfolgreichste Geschäftsjahr in der Geschichte der WG. Erstmals konnte ein Umsatz von über 12 Mio DM erzielt werden.
1998- 75 Jahre - alles für den Wein.
Die großen Erfolge mit den Eberstädter Weinen lassen uns mit Dankbarkeit und Stolz zurückblicken. Das unermüdliche Schaffen aller seit Generationen in Weinberg, Keller und bei der Vermarktung hat Früchte getragen. Durch kontinuierliche Qualitätsleistung in allen Bereichen ist in 75 Jahren eine Selbsthilfeeinrichtung auf solider Grundlage entstanden, die von unternehmerischem Weitblick geprägt ist.
Das bisher Erreichte ist eine gute Basis für die Zukunft.






